Dienstag, 27. November 2007

Männer oder etwas wirklich Intimes

Es gibt keine guten Titel für diesen Text, oder aber vielleicht findet sich einer zum Schluss.

Vielleicht muss ich erst noch die Sache mit dem Heiraten klären nach meinem letzten, emotionalen Taxt über's "Nicht-Heiraten".
Natürlich war alles nicht so schlimm, natürlich haben wir noch einmal darüber gesprochen und natürlich haben wir uns wieder vertragen und werden auch heiraten. Wobei die Art und Weise irgendwie immer noch nicht feststeht. (Unglaulich nicht? Wie schwer man sich mit sowas tun kann, wo andere mal kurz heiraten. Aber naja.)
Nun will ich jetzt nicht irgendwie klischeehaft werden und es ist ja auch noch gar nicht der Zeitpunkt dafür. Aber die letzten Nächte sind mir einige Dinge durch den Kopf. Um erhlich zu sein immer etwa dieselben. Neben meinem Vater was das Folgendes:

Es ist ein lauer Morgen vor ein paar Jahren und ich sammle meine Sachen vom Fussboden eines jungen Mannes ein, mit dem ich gerade meinen damaligen Freund betrogen hatte. Ein One-Nightstand sozusagen. Um genau zu sein war es allerdings ein Two-Nightstand. Die First-Night lag allerdings auch schon ein paar Jahre zurück. Nach dieser ersten Nacht, damals, vor einigen Jahren davor, versuchte ich, - trotz innerer Intuition der Aussichtslosigkeit aus diesem One-Nightstand mehr zu machen. Er lehnte ab. Er lehnte nicht böshaftig ab, oder arrogant, auch nicht mitleidig, sondern mit sich selbst kämpfend. Womit er rang weiss ich nicht. Er meinte nur - soweit ich mich errinnern kann - dass es so ungefähr jetzt nicht die Zeit dafür wäre.
Nun gut, diese Ausrede habe ich auch schon benutzt in meinem Leben und ganz ehrlich gesagt war es dann auch jeweils so, dass ich den Grund der Ablehnung selbst nicht definieren konnte. Es stimmte einfach nicht. Aus diesem Grund nehme ich nun einmal an, dass es bei ihm auch so war.
Doch was wäre wenn?
Jajajajaaaaaaaa, eine doofe und überflüssige Frage. Schon klaaaar. Trotzdem kann ich aus irgendeinem Grund nicht aufhören darüber nachzudenken. Das kennt man ja manchmal nach einer zerbrochenen Beziehung, was wäre wenn wir es doch noch einmal versucht hätten... etc. pp. Aber irgendwie ist das hier anders.
Also: Hätten wir es versucht, was gut möglich in einer mittleren Katastrophe geendet hätte, so wäre ich aber doch zumindest nicht auf meine "Weltreise". Hätte das Geld nicht verprasst und mein Leben hätte eine andere Wendung genommen. Vielleicht hätte ich auch den Mann nicht kennengelernt mit dem ich die Reise gemacht habe. Oder wenn, dann hätte ich mich nicht auf ihn einlassen. Dann wiederum hätte ich aber ein paar bewusstseinerweiternde Erfahrungen nicht gemacht. Wie auch immer man das verstehen mag.
Eins ist ziemlich sicher. Ich hätte meine Tagebücher nicht verbrannt. Etwas, was ich bis heute bereue, denn damit lässt man nichts hinter sich.
Vielleicht wären wir dann auch heute nicht mehr Freunde. Wir hätten uns zerstritten, oder ich wäre schlussendlich doch dem Drang nach der weiten Welt erlegen, oder festgeklebt an dieser Stadt. Oder aber vielleicht hätten wir uns weiterbringen können???
Das war damals. Bei der First-Night.

Warum dann eine Zweite?
Ich habe keine Ahnung. Obwohl das auch gelogen ist. Denn ich habe schon eine Ahnung. Es ist ja nicht der Sex. Das Frauen Nähe suchen und dafür Sex im Tauschangebot haben, dass wissen wir nun glaube ich alle. Es ist diese Anziehungskraft. Dieses Flirren in der Luft wenn man sich begegnet, in der Nähe des Anderen ist, diese Wärme und Heftigkeit, gleichzeitig so unsicher aber wunderschön aufregend. Der Nervenkitzel der einem zum Leben erweckt. Es ist so etwas wie der Anfang des Verliebens wenn es sich noch aufhalten lässt, sofern man es sich bewusst ist. Natürlich hatte ich unterdessen auch darin etwas Übung erlangt. Und es ist die Veränderung in der Stimme, die der Partner aufschnappt, das im Hintergrund vorhandene, schlechte Gewissen, dass man etwas tut, einem Reiz erliegt, den man bekämpfen könnte, wenn man nur wollte.

Tja man mag mich verurteilen für das was ich getan habe, das habe ich selbst auch lange. Es hat mir viel Leid gebracht und vor allem meiner Beziehung und meinem damaligen Freund. Ich konnte nicht einmal erklären wie es dazu kam und ich weiss auch heute (nicht) mehr. Es war NICHT Alkohol. Jedenfalls nicht bei mir. Und mit meinem Two-Nightstanbd habe ich nie darüber gesprochen, obwohl wir uns wieder begegnet sind. Oft habe ich mich gefragt weshalb ich das getan habe. Und es gibt heute nur eine Antwort darauf. Weil es richtig war. Weil es so sein sollte. Und nicht zuletzt, weil dieser Mensch auf eine seltsame Art und Weise etwas Spezielles ist. Er hat mir und meinem Freund etwas geschenkt. Das klingt jetzt komisch, aber es war das Leid. Er schenkte uns das Leid - woraus früher oder später meine Erkenntniss entstand, dass ich diese Beziehung über diese Distanz nicht mehr führen konnte. Die Erkenntniss, dass ich mich unendlich nach Nähe und Geborgenheit sehnte, die ich nur in meiner unmittelbaren Umgebung finden konnte.
Das ist ein Teil der Geschichte.
Der andere ist erneut:
Was wäre wenn?

Jajaaaa, blabla, unnötig etc.

Und dennoch, was wäre gewesen, wäre ich nicht einfach gegangen?
Warum habe ich mich weggeschlichen?
Habe ich uns somit einfach einen peinlichen Moment erspart?
Warum muss er peinlich sein?
War es nicht so, dass ich mich nach dieser Nähe gesehnt habe, so wie das erste Mal und Angst hatte ein zweites Mal verletzt zu werden? War er nicht froh es nicht tun zu müssen? Oder aber war es für ihn noch von früher völlig klar? (Obwohl seien wir ehrlich, sich Männer wohl kaum VOR dem Sex etwas überlegen!!! - Bin ich eigentlich männerfeindlich? Diese Frage ist NICHT sarkastisch gemeint!) Oder aber wäre es auch einfach ganz anders gekommen, wenn ich geblieben wäre?
Und warum interessiert mich das so nur gerade bei diesem einen Menschen? Es gibt da ja noch einige andere solcher Mörgen in meinem Leben, wobei jedoch keiner auch nur annähernd so spannend ist/war. Warum taucht dieser Mensch immer wieder auf?

Loslassen ist eines meiner Probleme, das ist mir schon klar. Aber so eine "alte" Situation, über die ich jahrelang nicht mehr nachgedacht habe kommt mir nun jeden Abend in den Sinn. Was soll das blos? Es ist wie wenn jemand ständig an einer Verbindungsschnur zwischen mir und diesem Menschen reisst, daran herumzerrt und mich somit an ihn errinnert. Das ist unangenehm, zumal ich nicht weiss, was ich damit anfangen soll.
Sehne ich mich einfach nach einem Flirren in der Luft? Nach diesem speziellen Flirren in der Luft? Nach einem Kick?

Es ist schon so, dass es nicht mehr besonders spannend ist in einer längeren Beziehung und unverbindlicher Sex fällt mir viel leichter, als wenn ich den Menschen liebe und für ihn auch noch etwas anderes darstellen muss. Um ganz ehrlich zu sein ist Sex an und für sich ein schwieriges Thema. Je unverbindlicher desto einfacher. Und es ist auch nicht der Sex, der das Ganze ausmacht, sondern eben wie ich oben schon beschrieben habe, das Ganze drumherum. Kämpfe ich denn nur gegen meine eigenen Dämonen? Besser jedenfalls ich denke über Vergangenes nach, als dass ich mir Gegenwärtiges anlache. In letzter Zeit auch mit der ganzen Heiratsdiskussion verspührte ich schon einen gewissen Freiheitsdrang, wie das bei mir so üblich ist, wenn ein Mann mir näher kommt als mir lieb ist. Ich glaube das alles so langsam geht mit meinem Freund, hat schon seine Richtigkeit, denn ansonsten wäre ich schon lange abgehauen.

Ich habe wirklich genügend Erfahrungen sammeln dürfen, die ich hier nicht ausbreiten möchte, denn ich habe das Gefühl, dass Frauen bis heute das nicht dürfen. Männer sind Helden und Frauen Schlampen. Darüber habe ich übrigens auch viel nachgedacht in den letzten Nächten.
Weshalb hatte ich so "extreme" Zeiten? Ich hatte auch ruhige Zeiten und längere Beziehungen, aber wenn ich mich manchmal mit anderen etwas intimer unterhalte und davon ausgehe, dass die Zahlen, die sie nennen der Wahrheit entsprechen, dann ist das irgendwie seltsam. Ich lüge dann jeweils lieber um meines Rufes Willen! Zum Glück bin ich ab und zu umgezogen, so haben nie alle alles mitbekommen. Und meinem Freund das erzählen... Unmöglich!!! Wahrscheinlich würde er mich gar nicht mehr heiraten wollen. Diesen Fehler habe ich einmal bei einem Partner gemacht, weil ich dachte über alles reden sei sinnvoll... Jajaaaaaa... Da hab' ich aber auch was gelernt!!! Quatsch ist das sinnvoll! Erzähle nie deinem Freund wieviele Lover du schon hattest, es könnten mehr sein, als er Frauen hatte! Und dann gut' Nacht!!!

Es ist nicht so, dass ich nun auf dem Internet nach solchen Auskünften suchen würde, deshalb wird mir auch kaum jemand helfen können, da eh kaum jemand meinen Blog liest. Aber ich meine was ist denn normal? Durchschnitt? Wieviele Männer darf man denn als 30-jährige schon im Bett (oder anderswo) gehabt haben? Und wieviele Frauen haben denn tatsächlich Orgasmen beim Sex ohne selbst nachzuhelfen? Gibt es tatsächlich Nymphomaninnen die nicht nur viel Sex und Spass daran haben, sonder auch noch jedesmal befriedigt werden dabei? Oder gibt es die vielleicht doch nur in Pornos? Das ist eine fremde Welt für mich, denn ich kenne das nicht. Für mich ist Sex hauptsächlich ein Tauschgeschäft. Es war spannend, solange es unverbindlich und neu war. Jedesmal ist es ja schliesslich so, wie wen man eine Wundertüte auspacken würde. Vielleicht ist es eine völlige Niete, vielleicht aber auch ein unterhaltsamer Inhalt. Aber sobald er mit Liebe verbunden war/ist, dann ist es etwas Anstrengendes. Um nicht zu sagen etwas Mühsames. Es hat nichts Leichtes mehr sondern trägt so viel Verpflichtung. Es ist schon so, dass ich mich hauptsächlich sexy fühlen kann beim erobern, beim flirten, bei etwas Verbotenem und Unverbindlichen. Dies ist in einer Beziehung kaum der Fall. Wenn ich jemanden danach nie mehr wieder ansehen muss, dann ist es auch einfacher Dinge auszuprobieren. Es ist weniger peinlich, denn ich lasse mir den Ausweg, diesem Menschen nie wieder zu begegnen. Das macht alles einfach. Aber in einer Beziehung? Sich lächerlich machen? Und dabei vielleicht dem anderen schlussendlich nicht einmal das bieten können, was er sich erhofft? Das macht mir Angst.
Es ist tragisch, aber ich fange an zu verstehen, weshalb Frauen darüber hinwegsehen, wenn ihre Männer fremd- oder ins Puff gehen. Diese Einblicke will ich gar nicht. Ich will es nicht wissen und ich will selber nicht so sein/werden. Und doch schaffe ich es nicht aktiv etwas zu verändern. Obwohl ich weiss, dass ich es sollte. Mir und ihm zuliebe. Wenn ich zurückdenke gibt es schliesslich schon üble Kerle, bei denen ich mich wirklich fragen muss: "Wie konnte ich nur?"
Eigentlich brauche ich ja auch keine weiteren Erfahrungen. Ich weiss was mich glücklich macht und was ich will. Nur im Bereich des Sex habe ich keine Ahnung. Auch wenn man heute darüber spricht und sich die 15-jährigen wie billige Nutten anziehen, so habe ich jedenfalls nichts richtig über dieses Thema gelernt. Und ich glaube die jetzige Jugend noch viel weniger. Für Männer ist es doch viel einfacher, oder nicht?

Ich will nicht, dass es mich weggreisst von meinem Partner. Dass nur für ein bisschen Nervenkitzel alles anders wird. Diesmal will ich es richtig machen. Ich weiss, dass es keinen Besseren gibt.

- - - Und dennoch sehne ich mich nach irgendeiner Art von Abenteuer!!! Nach Bestätigung und Spass. Nach Leichtigkeit und Oberflächlichkeit. Nur eine kurze Weile. Ich habe vergessen wie es geht.....

Was wird nur aus mir???

Und die zentrale Frage bleibt, falls man sie vergessen hätte unterdessen bei diesen Unmengen an Text:

Was wäre wenn...???

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